Wenn der Magenta-Riese kippt: Telekom, Broadcom, Veeam – und die unbequeme Wahrheit über selbstgewählte Abhängigkeit
Ep. 03

Wenn der Magenta-Riese kippt: Telekom, Broadcom, Veeam – und die unbequeme Wahrheit über selbstgewählte Abhängigkeit

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Im Frühjahr 2026 hat Microsoft der Deutschen Telekom AG die Autorisierung als Indirect-CSP-Distributor entzogen. Stichtag: 20. Mai. Sechs Wochen Frist, ein Großteil davon Osterferien. Aber das ist kein Einzelfall. Brack/Alltron hat sich 2025 zurückgezogen, mehrere mittelgroße Distributoren in Deutschland sind ebenfalls aus den Programmen rausgerutscht. Und es bleibt nicht bei Microsoft: Broadcom hat 2024 sämtliche VMware-Partnerverträge gekündigt, Veeam reduziert gerade massiv das VCSP-Programm im Vorfeld eines absehbaren IPO. Drei verschiedene Auslöser – Distributor-Schwelle, PE-Übernahme, Börsenvorbereitung – dieselbe Mechanik. In dieser Folge sortiere ich, was passiert, warum es passiert, und welche zwei Formen von Herstellerwillkür dabei oft übersehen werden. Dann: vier Hebel, mit denen sich Tier-2-Partner, MSPs und Lizenzhäuser strukturell entkoppeln können – von Vendor-agnostischem Tooling über die richtige Distributoren-Wahl bis zur ernsthaften Evaluation alternativer Hersteller und FOSS. Und zum Schluss: warum genossenschaftliche Einkaufsgemeinschaften, die gerade als Befreiungsschlag verkauft werden, strukturell genau das Gegenteil bewirken. Begleitend zum Blog-Artikel auf pandolin.io.

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Sprache: Hallo und herzlich willkommen wieder zum neuen

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Pandolin on Air Podcast. Heute möchte ich ein kleines bisschen

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darüber reden, was derzeit verhältnismäßig vielen

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IT-Partnern und IT-Systemhäusern,

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Rechenzentrumsbetreibern und so weiter passiert. Das Ganze am

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hochaktuellen Beispiel der Deutschen Telekom. Seit etwa 14

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Tagen ist es jetzt offiziell. Die Microsoft Corporation hat

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der Deutschen Telekom AG die Autorisierung als

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Indirect-CSP-Distributor entzogen. Und zwar mit dem

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Stichtag 20. Mai 26. Jetzt schauen wir mal auf dem Kalender.

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Wir haben gerade Anfang Mai. Das heißt, wir haben hier gerade

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mal eine Laufzeit von ungefähr zwei bis drei Wochen. Was

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bedeutet denn Indirect-CSP-Reseller oder

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Indirect-CSP-Distributor grundsätzlich? Das bedeutet,

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dass die Telekom von Microsoft die Erlaubnis gewährt bekommen

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hat, an weitere Systemhauspartner etc. an

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weitere Reseller zu verkaufen, die dann wiederum an ihre Kunden

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verkaufen. Das nennt sich dann Tier-2-Modell. Das heißt, also

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IT-Systemhäuser, die für Microsoft oder für auch andere

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Anbieter nicht groß genug sind, können sich dann an sogenannte

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Distributoren wenden. Da gibt es eine ganze Reihe. Und die

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Telekom war durchaus einer unserer größten. Ich meine,

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das ist unser Magenta-Riese. Jetzt kann man sich fragen,

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warum das Ganze so ist. Naja, also unsere Telekom hat es nicht

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geschafft, die kürzlich wieder angehobenen, sehr, sehr

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signifikant angehobenen Umsatzschwellen, die die

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Hersteller dem Indirect-Distributor geben, zu

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erreichen. Also irgendwas von 30 Millionen US-Dollar pro Jahr an

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Umsatz wird da kolportiert. Das ist auch nicht das erste Mal,

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dass das Ganze angehoben wurde. Aber in dem Fall ist es so, dass

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speziell die Telekom, die jetzt natürlich einer unserer großen

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internationalen Spieler ist, ich meine, wenn man an IT aus

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Deutschland oder IT-Services aus Deutschland, wenn man darüber

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redet, dann hat man natürlich sehr, sehr schnell international

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gesehen den Namen Telekom oder T-Systems auf den Lippen. Also

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lassen wir das nochmal kurz sacken. Unsere deutsche Telekom.

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Magenta-farbenes Schlachtschiff. Dreistelliger

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Milliarden-Konzernumsatz weltweit. Der Betreiber der

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Bundesnetzinfrastruktur eigentlich. Eine riesige eigene

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Cloud-Infrastruktur. Eigene Portale noch und nöcher. Jede

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Menge eigenes Geld. Eigentlich genau eins von den Unternehmen,

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von denen man annehmen sollte, dass die als Tier-2-Partner

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eigentlich mit Kusshand genommen werden. Wenn die nicht stabil

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sind, in ihrer Abnahmemenge, wer ist es denn dann? Naja, sagen

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wir mal jetzt aus dem Rückblick im Frühjahr 2026, sicher ist da

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niemand, stabil ist da niemand. Weil die Frage grundsätzlich

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falsch gestellt ist. Tatsächlich ist Microsoft hier

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ein austauschbarer Name. Es ist kein Einzelfall, wir reden hier

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über ein Muster. Die Telekom ist nicht der erste Distributor,

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dem das passiert. Also der Altron in der Schweiz ist das

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Mitte 2025 passiert. Die haben sich aus dem CSP-Geschäft

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zurückgezogen mit derselben Begründung. 30 Millionen

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US-Dollar-Schwelle nicht erreicht. Eine ganze Reihe

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mittelgroßer Distributoren in Deutschland hat das ebenfalls

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nicht erreicht. Ist also so auch rausgerutscht. Die Telekom ist

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jetzt mal der lauteste Fall, weil es halt einfach ein sehr,

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sehr großes Unternehmen ist, das wir alle kennen. Und

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deswegen ist es sehr, sehr präsent, sehr sichtbar, sehr

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groß in den Medien. Jetzt wäre es natürlich viel zu einfach,

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einfach mal auf Microsoft einzuschlagen und zu sagen,

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Microsoft ist böse. Aber tatsächlich, die Logik ist

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nicht böse. Die ist absolut rational. Weniger größere

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professionelle Distributoren sind für den Hersteller sehr,

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sehr einfach zu betreuen. Man spart unheimlich viel Geld. Man

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kann sie auch tatsächlich einfacher kontrollieren,

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sauberer auditieren. Man kann sie sehr einfach steuern. Also

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das ist ja auch genau das Interesse des Herstellers, dass

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der Distributor genau das macht, was der Hersteller von einem

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möchte. Aus der Konzernsicht gesehen, aus eines

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börsennotierten Unternehmen ist das perfekt. Der wunderbare Weg.

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Aus der Sicht aber eines Tier-2-Partners ist das wirklich

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mehr als nur ein architektonisches Problem. In

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dem Fall habe ich mich bei mehreren der großen

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Distributoren als CSP-Reseller mal registriert, damit ich auch

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aus erster Hand mitbekomme, worüber ich da rede. Das heißt,

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das Modell, auf dem mein Geschäft als Partner, der

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irgendwo vielleicht mal eine Microsoft-Dizenz an den Kunden

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verkauft, also ich mache CSP über meinen Distributor X, der

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wird mich irgendwo beliefern, hat grundsätzlich mal die

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Annahme, dass der Hersteller die Spielregeln nicht so einerseits

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verändern kann, dass der Disti plötzlich nicht mehr liefern

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kann. Das sollte man eigentlich meinen, dass das ausgeschlossen

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ist. Aber genau diese Annahme stimmt nicht mehr. Vielleicht

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hat sie auch nie wirklich gestimmt. Ganz ehrlich, sie hat

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nie wirklich gestimmt. Die Distributoren sitzen alle

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irgendwo an der Leine oder am Hahn der Hersteller. Aber jetzt

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sehen wir das halt mal sehr, sehr präsent in diesen besagten

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magentafarbenen Lettern. Wenn man jetzt meint, Microsoft ist

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hier der Erste, dem das Ganze aufgefallen ist, gehen wir mal

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einen Schritt zurück und gucken wir mal, was Broadcom mit der

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Übernahme von VMware angestellt hat. Das ist nämlich genau

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dieselbe Geschichte. Anfang 2024 hat Microsoft sämtliche

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VMware-Partnerverträge gekündigt. Zum 4. Februar 2024

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war das damals. Komplett, absolut jeder einzelne Partner

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wurde erstmal gekündigt. Wer weiter VMware verkaufen will,

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muss sich also diesem neuen Broadcom-Partner

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Advantage-Programm unterwerfen bzw. darf sich dafür bewerben,

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darf sich qualifizieren. Das ist alles sehr exklusiv und war zu

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dem Zeitpunkt per Invitation only. Dann gab es so interne

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Schwellenwerte, die durchgesickert sind. Die waren

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irgendwo zwischen einer halben und einer Millionen Dollar

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Jahresumsatz bei VMware. Wer da runterlag, war einfach weg vom

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Fenster. Die ganzen Mid-Market-Reseller, speziell

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auch die SMB-fokussierten Managed Service Provider, kleine

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Systemhäuser, alle wirklich von einem Tag auf den anderen raus

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aus der Programmatik. 2025 ist dasselbe, dann auf der CSP-Seite,

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wobei CSP hier tatsächlich auch von Broadcom verwendet wird,

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passiert. Die Pinnacle-Partner brauchten plötzlich 7.000 oder

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mehr Coors Commitment, was man sich auf der Zunge zergehen

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lassen, ja, 7.000 Coors. Wenn du Premier-Partner sein wolltest,

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waren es 3.500. Wenn du da runterlagst, musstest du

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irgendwie als White-Label dich unter einen der großen

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VCSP-Partner hängen. Bedeutet also im Klartext, du bist gar

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nicht mehr in der Lage, direkt zu verkaufen, sondern du bist

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tatsächlich der Subunternehmer eines Subunternehmers, eines

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Herstellers. Also ein wirklich seltsames Konstrukt. Nun, und

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seit Ende 2025, Anfang 2026 läuft dieser gesamte Umbau

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natürlich auch im gesamten EMEA-Bereich. Man muss fairness

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halber sagen, dass Broadcom hier ein bisschen gelernt hat. Sie

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haben ein bisschen mehr zeitlichen Vorlauf, aber die

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Stoßrichtung ist identisch. Was erleben die Partner jetzt da

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draußen gerade? Margen, die üblicherweise bei 10 bis 15

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Prozent lagen, schrumpfen plötzlich auf 5 bis 6 Prozent.

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Die Hebel, die der Vendor in dieser Position hat, die sind

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quasi unbegrenzt. Man hängt quasi hier wirklich an dem Tropf

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des Herstellers im wahrsten Sinne des Wortes. Ja, und

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Broadcom und viele andere nutzen das tatsächlich mit ihren

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Steuerungsmöglichkeiten sehr, sehr effektiv aus, um die

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Partner in die Richtung zu dirigieren, die sie von ihnen

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erwarten. Das ist aber nur die Hälfte der Geschichte. Die

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andere Hälfte ist tatsächlich, wer drinbleiben möchte,

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vielleicht weil man ein global aufgestelltes Lizenzmodell eben

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nicht über Nacht einfach mal beenden kann, der muss

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inzwischen wirklich Konditionen bei den Herstellern akzeptieren,

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die noch vor zwei oder drei Jahren undenkbar gewesen wären.

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Also man hat es genau gesehen, dass mehrere namhafte, wirklich

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globale, agierende Lizenzspezialisten sich genau

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dafür entschieden haben und ihren Pinnacle oder

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Premierstatus mit gewissen Zugeständnissen gegenüber dem

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Hersteller erkauft haben. Das schaut natürlich von außen

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erstmal so aus, als wäre das super. Also da gibt es die

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entsprechenden Pressemitteilungen, wir sind die

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Top-Tier-Partner, einer der wenigen und so weiter. Wenn man

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aber von innen da reinschaut, dann denkt man, das ist eher so

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die Variante, wir konnten nicht ohne, wir konnten nicht nein

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sagen, wir haben keine Alternativen in unserem

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Geschäftsmodell gesehen. Man muss auch ganz klar sagen, das

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ist diese zweite Version von Herstellerwillkür, so kann man

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es durchaus formulieren, oft übersehen. Du wirst nicht

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ausgeschlossen. Du hast immer die Möglichkeit daran zu

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partizipieren zu den Bedingungen XYZ. Diese Bedingungen sorgen

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dafür, dass du langfristig strategisch klein gehalten wirst,

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damit du auch für den Hersteller immer ein

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verzichtbarer Partner bleibst. Das heißt, du kannst beides tun,

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rausfliegen oder Zähne knirschend bleiben. Es hat

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beides denselben Effekt. Der Hebel verschiebt sich jetzt dann

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irgendwann mal ganz offensichtlich in Richtung

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Hersteller und da bleibt er natürlich auch. Faktisch war er

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da eigentlich schon immer, aber jetzt werden die samt Handschuhe

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halt leider gerade ausgepackt. Jetzt könnte man tatsächlich

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meinen, das ist ein Sonderphänomen bei Microsoft,

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bei VMware und so weiter, irgendein Spezialfall, was

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Lizenzsoftware angeht. Aber schaut euch mal an, was bei

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Veeam gerade mit dem VCSP-Programm passiert ist.

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Veeam reduziert gerade massiv die Anzahl der Anbieter, die

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Hosting-Modelle anbieten, die das weiterverkaufen dürfen. Im

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VCSP-Programm verlieren gerade jede Menge Aggregatoren und

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Service-Provider ihren Status, weil sie halt nicht den neuen

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Volumen- und Investitionsanforderungen

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entsprechen. Damit nicht nur den Status, damit auch ihre

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Existenzberechtigung. Die ganzen Rental-Dizenzen, auf denen das

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ganze Geschäftsmodell von wirklich vielen

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mittelständischen und großen Hostern ruht, die brechen

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einfach alle weg. Wer aus dem Programm rausfällt, verliert

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nicht nur Marge, sondern auch die technische Möglichkeit, die

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Workloads seiner Kunden mit dem Produkt des Herstellers, mit

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Veeam zu schützen. Also genau das, wofür diese Anbieter seit

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Jahren Infrastruktur, Personal, Kundenbeziehungen aufgebaut

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haben. Also dieses ganze Invest ist gerade on risk, um nicht zu

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sagen schon weggebrochen. Vielleicht sollte man das auch

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noch mal ganz klar sagen. Dieser Punkt, der da weh tut, ist nicht,

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dass eben nur kleine regionale Minimal-Hoster irgendwo

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betroffen sind. Diese aktuelle Welle, die erwischt tatsächlich

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global agierende Lizenzspezialisten, genauso wie

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im Dachbereich etablierte Player, die mit zweistelligen

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Millionenumsätzen da draußen unternehmen sind. Also

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Unternehmen, von denen man annehmen müsste, sie haben

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genug Größe, genug Professionalität, genug

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Compliance-Tiefe, die die Hersteller, in dem Fall WIEM,

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offiziell einfordern. Tun sie tatsächlich. Reicht aber dem

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Hersteller nicht. Größe ist kein Schutz. Und vielleicht

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sehen wir auch jetzt gerade, dass Größe auch nie ein Schutz

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war. Vielleicht müssen wir das bei WIEM tatsächlich mal ein

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kleines bisschen in den Kontext reinbringen. Also 2020 hat der

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Investor Insight Partners WIEM für knappe 5 Milliarden

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US-Dollar gekauft. Dann gab es nochmal eine weitere 2

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Milliarden Sekundärrunde Ende 2024. Das hat die Bewertung auf

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15 Milliarden hochgetrieben. Also eine klare Ipo-Perspektive.

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Natürlich, ein Unternehmen, das auf Richtung Börse läuft oder

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sich auch durch einen Börsenkurs selbst definiert,

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optimiert immer auf Marge, optimiert immer auf

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Vorhersehbarkeit, auf Recurring Revenue. Die wenigsten von denen

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machen das, ganz ehrlich, niemand macht das, indem man die

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kleinen und mittelständischen Partner mit Liebe behandelt.

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Leider ist das so. Auch macht WIEM dann eine gewisse

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Transformation durch. Es gab eine interessante Reihe an

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Akquisitionen. Security AI, dann gab es Object First, Coveware

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und Custom. Das heißt also, WIEM macht selber diese

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Transformation durch, von einem reinen Backup-Tool-Anbieter zu

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einer Datenplattform mit gewissen Sicherheits- und

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KI-Layern zu werden. Das ist auch nichts Neues. Ganz ehrlich,

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das macht jeder da draußen irgendwo. Security und AI sind

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die Themen, die gerade ums Dorf, durchs Dorf getrieben werden.

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Aber natürlich ist es auch so, dass im Rahmen dieser

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Börsennotierung Plattformen immer wesentlich höhere

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Eintrittskartenpreise verlangen können. Es gibt aber auch

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höhere Eintrittsbarrieren, speziell dann für die Partner.

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Vielleicht auch noch ganz interessant, was die meisten

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vielleicht nicht wissen, ist, dass Microsoft eine

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Equity-Beteiligung an WIEM hält. Damit ist WIEM natürlich kein

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neutraler Vendor mehr, sondern ein weiterer Hersteller mit

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einer strategischen Verflechtung zu einem der größten

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Hyperscaler. WIEM Data Cloud läuft ohnehin nativ auf Azure,

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falls ihr das noch nicht gewusst habt. Also das ist auch bei

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weitem kein neutrales Produkt mehr. Auf der anderen Seite hat

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Microsoft auch selber verhältnismäßig viele

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Technologien von WIEM dann mit lizenziert. Das heißt, viele

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von Microsofts Backup-Diensten im Bereich 365, im Bereich Azure

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etc. laufen bereits auf einer WIEM-basierenden technologischen

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Basis. Was bedeutet das am Ende für einen kleineren Hoster, der

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in eine Verhandlungsposition reinrutscht, wo er gegen die

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großen bieten muss? Naja, das könnt ihr euch selber

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ausrechnen. Die Chancen werden immer kleiner. Und wie überall

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bewegt sich auch bei WIEM natürlich alles konsequent in

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Richtung Subscription-Only. Das heißt, die alten Modelle, die

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durchaus sehr, sehr attraktiv waren für den Partner, die

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cancelt man einfach mal. Das heißt also, die VUL ersetzt

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Perpetual, Socket-Lizenzen werden ausgemustert. Die ganze

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Zertifizierungslandschaft, also VMCE zur VMCE+, VMCA zur VMCAR,

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wird gerade grundlegend umgebaut. Wer mit WIEM bisher Geld

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verdient hat oder Geld verdient, muss Zahlen zertifizieren. Muss

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massiv investieren und einen Mindest-Footprint irgendwo

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nachweisen. Wobei Mindest haben wir ja gelernt. Mindest ist

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keine stabile Zahl. Die ändert sich mehr oder weniger nach

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Gutdünken der Hersteller. Und ich habe noch keinen Hersteller

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tatsächlich innerhalb der doch inzwischen über 30 Jahre, die

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ich in der IT bin, gesehen, der tatsächlich mal seinen

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Mindest-Footprint partner- und kundenfreundlich nach unten

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geschraubt hat. Die Dinger gehen einfach regelmäßig mit einem

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gewissen Trend nach oben. Jetzt habe ich gerade ein kleines

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bisschen über WIEM geredet. Aber wenn ihr genau hinschaut,

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es ist genau dasselbe, was bei Broadcom passiert ist. Genau

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dasselbe Drehbuch. Es gab bloß keine vorherige Übernahme.

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IPO-Vorbereitungen wirken grundsätzlich auf

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Partnerprogramme strukturell genauso wie eine getriebene

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Übernahme. Das ist genau derselbe Effekt, der da passiert.

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Die Story muss sauber sein. Marge muss entsprechend hoch

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sein. Das Partnernetzwerk maximal konsolidiert, bedeutet

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auf möglichst wenig Partner. Kleinere Hoster, die seit Jahren

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brav WIEM gekauft oder verkauft oder eingesetzt haben, sind in

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so einem Story-Punkt einfach nur ein Kostenpunkt, keinerlei

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Wertschöpfung. Im Zweifelsfall guckt dich einer von den Großen

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an und sagt, ich mache mit 20% meiner Partner 80% meines

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Umsatzes. Warum soll ich mich um die restlichen noch? Vergleichen

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wir jetzt nochmal diese drei Fälle. Was eint das da eine?

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Die Telekom ist eine Distributoren-Story. Broadcom

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ist eine Übernahmestory. Bei WIEM handelt es sich um IPO und

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Plattform. Drei Auslöser, immer dieselbe Mechanik, immer

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dasselbe Ergebnis. Der Vendor sitzt immer am längeren Hebel.

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Punkt. Braucht man nicht diskutieren. Er definiert die

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Spielregeln. Er passt sie jederzeit nach seinem eigenen

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Gusto an. Er entscheidet einseitig, wer Partner ist, wer

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Premierpartner ist und wer gar nichts mehr tun darf.

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Partnerschaft klingt marketingmäßig sehr gut nach

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Augenhöhe. In der Realität ist das aber ein Privileg, das einem

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mehr oder weniger nach Gusto jederzeit entzogen oder neu

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schlechter ausgehandelt werden kann zugunsten des Vendoren.

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Partner first. Ihr erinnert euch, es gibt ganz, ganz viele

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Unternehmen, die da draußen regelmäßig Partner first

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gebrüllt haben. Jetzt lernen wir langsam, dass das all die

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Jahre tatsächlich nur eine leere Floskel war. Per se ist

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das keine moralische Aussage. Wir reden hier nicht über

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Boshaftigkeit. Wir reden hier über strukturelle Themen. Eine

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Aktiengesellschaft, börsennotiert oder

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börsenwillig, entsprechende Renditeerwartungen der

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Investoren, die werden niemals, niemals aus Loyalität zu

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irgendeinem kleineren Partner auf eine Marge oder auf eine

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Effizienzsteigerung verzichten. Haben sie nie, werden sie nie,

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Punkt. Man kann es ja sehr bequem Herstellerwillkür nennen,

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weil es ein sehr bequemes Wort ist, das nach bösem Schicksal

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irgendwo klingt. Aber es ist kein Schicksal. Es ist eine

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absolut vorhersehbare Konsequenz. Eine Konsequenz daraus, wie

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derzeit die Marktstruktur aufgebaut ist, wie sie sich

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entwickelt hat, wie wir sie mitgeschaffen haben. Jeder

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Einzelne von uns, der mit einer Kaufentscheidung einen dieser

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Hersteller unterstützt hat. Wer also auf einen einzelnen Vendor,

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einen einzelnen Distributor, ein einzelnes separates Lizenzmodell

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setzt, weil es ja ach so schön einfach ist und dabei eben diese

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hochgelobte Partnerschaft für eine gewisse Stabilität hält,

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der hat sich einfach verrechnet. Vielleicht fällt es ja jetzt

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dem einen oder anderen auf. Leider Gottes halt, fällt es

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einem auch vielleicht auf die Füße. Jetzt kann man

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natürlich sagen, das ist alles gut und schön, aber was

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bedeutet das denn tatsächlich für mich als Tier-2-Partner?

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Wenn ich also als Hoster, als CSP-Reseller, als MSP- oder als

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Lizenzhaus arbeite, habe ich typischerweise drei große

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strukturelle Abhängigkeiten. Die erste strukturelle

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Abhängigkeit sind die Hersteller. Microsoft, VMware,

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Broadcom, Veeam. Die sind erstmal nicht verhandelbar,

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solange man sich auf diese Hersteller eingeschossen hat und

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keine alternativen Angebote oder alternativen Anbieter in

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Erwägung ziehen mag. Zweitens sind es natürlich die

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Distributoren. Die Distributoren, eben die Telekom zum Beispiel,

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da gibt es eine ALSO, eine TD-Synex, eine PAX-8 und wie sie

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alle heißen da draußen, die sind grundsätzlich austauschbar.

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Die verkaufen einem das gerne auch so, aber tatsächlich ist

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das operativ wesentlich aufwendiger. Da gibt es APIs und

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so weiter, das ist nicht ganz trivial. Da kommen wir nämlich

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genau zu dem Thema API, also das eigene Tooling. Wenn mein

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eigenes Tooling auf eine bestimmte API eines Distis

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aufsetzt, habe ich eine gewisse Abhängigkeit. Da zeigt sich

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natürlich auch, welcher Disti gut mit einem zusammenarbeitet,

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was Implementierungsthemen und so weiter angeht. Das ist eine

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stille Abhängigkeit, die ist vorhanden, aber wird gerne

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unterschätzt. Also der erste Punkt, die Hersteller, das ist

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beinharte Realität. Nicht änderbar. Punkt zwei, der

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Distributoren, das ist verhandelbar, wenn man

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entsprechende Vorbereitungen getroffen hat, wenn man sich

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darauf eingestellt hat. Punkt drei, mit dem Tooling, das ist

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der eigentlich gefährliche, aber auch der einzige Punkt, den

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man wirklich in der eigenen Hand hat. Das Tooling, mein eigenes

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Tooling, da kann ich mich jederzeit entscheiden, irgendwas

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zu wechseln. Jetzt gibt es aber noch einen ganz anderen,

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unbequemen Punkt, eine ganz unbequeme Beobachtung. Die wird

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man in den meisten PowerPoints da draußen nicht finden. Diese

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ganzen Abhängigkeiten, die ich gerade beschrieben habe, die

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korrelieren. Also wer jetzt reflexhaft sagt, dann wechseln

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wir einfach den Disti, der wird dann im Ernstfall feststellen,

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dass die Welle, die gerade den ersten Disti erreicht hat, auch

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ein paar Wochen später den Disti B, zu dem man gerade

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gewechselt hat, erwischt. Also eine reine Konsolidierung ist ja

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kein Punktereignis, sie bewegt sich komplett durch ein

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Marktsegment. Das ist in dem Moment wirklich nicht

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verlässlich. Multi-Disti-Strategien schützen

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vor einem Einzelfall, aber eben nicht vor diesen besagten

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Welleneffekten. Und genau da wird es jetzt richtig

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interessant und strategisch vor allen Dingen auch interessant

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für euch. Also wer sein gesamtes Portfolio über diese

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genau eine API eines einzigen Distis verwaltet, baut sich

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selber einen architektonischen Single Point of Failure. Das ist

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einem ersten Moment wahrscheinlich gar nicht bewusst.

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Das heißt eben genau, ein Wechsel eines Distis heißt

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nicht, ich ziehe mal kurz Lizenzen von links nach rechts.

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Das heißt ab einer gewissen Partnergröße auch, da muss

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Tooling neu geschrieben werden, da müssen entsprechende APIs

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neu verstanden werden. Da muss ich Mitarbeiter darauf ansetzen,

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die dann Schnittstellen bauen, die Reports neu bauen, die

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Automatisierungen komplett neu anbinden. Und im blödesten Fall

18:39

passiert das genau wie jetzt bei den Partnern der Telekom. Man

18:42

hat es nicht kommen sehen, man ist nicht darauf vorbereitet und

18:45

man hat dann irgendwo zwischen vier und sechs Wochen Zeit. Also

18:49

was kann man jetzt tatsächlich grundsätzlich tun? Ein paar

18:51

Hebel, die für den einen oder anderen Partner relevant sein

18:55

können. Grundsätzlich mal, man sollte Tooling und Distributor

18:59

agnostisch denken und das Ganze auch umsetzen. Der stabilste

19:02

Anker, den man seitens des Herstellers bekommt, ist zum

19:05

Beispiel bei Microsoft die Partner-Center-Graph-API. Die

19:08

gibt es, solange das CSP-Programm irgendwo existiert.

19:11

Und darauf kann ich natürlich eine distributorspezifische API

19:15

setzen. Da gibt es ausgezeichnete APIs. Die sind so

19:18

was von komfortabel, das glaubt man gar nicht. Also die Partner

19:20

haben sich dadurch aus, also die Distis, haben sich dadurch aus

19:23

entsprechend Gedanken gemacht und wirklich sehr, sehr schöne

19:26

Sachen gebaut. Aber man darf nicht vergessen, dass das

19:29

Fundament, auf dem all dieses aufbaut, tatsächlich das

19:32

Microsoft-Partner-Center ist. Wer jetzt seine Logik so aufbaut,

19:35

dass sie über mehrere Quellen und mehrere Level einfach

19:38

normalisiert läuft, hat im Distributorwechsel kein

19:41

technisches Problem mehr, sondern tatsächlich nur noch

19:43

ein operatives. Das ist genau dann der Unterschied zwischen

19:46

einem, wir migrieren mal schnell in vier Wochen oder wir bauen

19:49

vier Monate etwas komplett Neues. Ja, dann geht's natürlich noch

19:54

um die Wahl des Distributors, ja. Wählt den richtigen, nicht den

19:57

naheliegenden. Eine Multi-Disti-Strategie alleine

20:01

hilft verhältnismäßig wenig, wenn beide im selben

20:03

Marktsegment, mit dem selben Portfolio und auch noch in

20:05

derselben Region irgendwo unterwegs sind. Die nächste

20:08

Konsolidierungswelle erwischt aller Wahrscheinlichkeit nach

20:10

alle beiden gleichzeitig oder mit einem gewissen Versatz von

20:13

irgendwo maximal drei Monaten. Was wirklich trägt da draußen,

20:17

ist nicht der billigste Disti oder der hochspezialisierteste

20:19

Disti, sondern das ist der Disti, der eine echte

20:22

Vendor-Neutralität und eine gewisse strategische Tiefe mit

20:25

sich bringt, ja. Einer, der nicht eben nur Microsoft-CSP

20:28

macht, sondern der auch entsprechende Alternativen im

20:30

Portfolio hat. Backup-Anbieter zum Beispiel jenseits von Veeam,

20:34

ja. Virtualisierungsoptionen jenseits von VMware und Broadcom,

20:37

Produktivitäts-Stacks jenseits der x365-Welt. Idealerweise auch

20:43

tatsächlich, gerade wenn man den Zeitgeist betrachtet,

20:45

Open-Source-Lösungen mit entsprechendem kommerziellen

20:47

Hintergrund, kommerziellem Support, weil das genau die

20:49

Workloads sind, die man gegebenenfalls braucht, wenn ein

20:52

Hersteller tatsächlich keine Lust auf einen hat, einen

20:55

rauswirft oder in einen nicht wirklich annehmbaren Würgegriff

20:58

nimmt. Vielleicht auch nochmal ganz klar gesagt, ein

21:01

Distributor, der nicht nur Lizenzen schiebt, der nicht nur

21:04

ein Spezialist für diesen einen Hersteller ist, sondern der

21:07

Multi-Vendor-Strategien ausarbeiten kann. Also eher

21:09

eigentlich ein Beratungshaus mit Distributor-Kapazität, der mit

21:13

dir gemeinsam dann wirklich überlegt, welche Workloads

21:16

sollten bei welchem Hersteller liegen, welche Migrationspfade

21:19

sind realistisch, welchen Plan B habe ich, der sowas auch

21:22

aufbauen kann mit einem, von dem Pilot-Setup bis zur Umsetzung

21:25

dann auch. Das ist eine vollkommen andere Klasse als ein

21:28

Partner, der dir erzählt, wie die geringste Marge auf

21:31

irgendeinen E5-Plan ist und dann noch ein bisschen Beratung mit

21:33

sich bringt. Das ist exakt die Sorte von Distributor, die in

21:36

einem konsolidierten Markt dann wirklich von Wert ist, weil sie

21:39

mehrere Rendoren gleichermaßen stabil anbieten kann und dir

21:42

auch stabil über potenzielle Engpässe hinweg helfen kann.

21:46

Solche Distis sind total selten. Es gibt ein paar da draußen.

21:49

Ihr könnt auch gerne auf mich zukommen. Ich kann euch da die

21:51

eine oder andere Empfehlung geben. Aber ganz ehrlich, ein

21:55

bisschen zu suchen, um den richtigen Disti zu finden, ist

21:58

erheblich einfacher als zwei 0815 Distis parallel mit einer

22:02

vollständigen Implementierung zu betreiben und vor allem auch

22:05

effizienter. Für euch als Partner gibt es natürlich hier

22:08

einen ganz essentiellen Dokumentationsbedarf. Also

22:12

Migrations-Runbooks soll man definitiv vorhalten. Welche

22:15

Kunden habe ich? Welche SKUs haben die gerade im Einsatz?

22:17

Welche Laufzeiten? Welche Renewal-Termine? Und welche

22:21

technischen Abhängigkeiten? Ich rede hier nicht über ein CRM.

22:25

Ein CRM ist etwas gänzlich anderes. Migrations-Runbooks.

22:29

Also auf keinen Fall erst anfangen zu recherchieren, was

22:31

in eurem CRM drin steht oder in euren Buchungssystemen, wenn

22:35

irgendwann mal eine Kündigungs-Mail kommt. Worüber

22:38

ich gerade rede, ist tatsächlich auch ein

22:41

Bestandteil von Compliance. Im Telekom-Fall hatte ich als

22:45

Partner am 8. April Bescheid bekommen und mein Stichtag ist

22:48

der 20. Mai. Das trifft mich jetzt nicht, weil ich habe da

22:51

tatsächlich keine Lizenzen drin. Aber das sind Pi mal Daumen

22:54

sechs Wochen. Und ein Großteil davon waren einfach die

22:56

Osterferien. Grundsätzlich ist es aber immer ein richtiger Weg,

23:00

alternative Hersteller oder Open Source ernsthaft zu evaluieren.

23:04

Das ist der Punkt, an dem die meisten Diskussionen unangenehm

23:06

werden. Und deshalb ist es wirklich einer der wichtigsten

23:08

Punkte. Die oben genannten drei Hersteller, Veeam, VMware,

23:13

Microsoft, das sind bei Gott nicht die einzigen da draußen,

23:15

die existieren. Sie sind die, an die wir uns alle gewöhnt haben,

23:19

mit denen wir freiwillig und durchaus erfolgreich die letzten

23:22

20, 30 Jahre zusammengearbeitet haben. Aber vielleicht hat uns

23:26

da ein kleines bisschen Weitsicht gefehlt. Wenn wir hier

23:28

über Alternativen reden, für Backup, Datenmanagement, es gibt

23:31

wirklich hervorragende ernstzunehmende Alternativen zu

23:34

Veeam. Es gibt NovaStore, es gibt Nacivo, es gibt Vincin, es

23:38

gibt Bacula, es gibt Proxmox Backup-Server für KVMs oder

23:43

Proxmox Stacks. Es gibt Restic, es gibt Copia für Dateien und

23:47

objektorientierte Workloads. Nicht jede dieser Lösungen

23:49

ersetzt jetzt Veeam in jedem Szenario. Aber ersetzt nicht in

23:53

jedem Szenario, ist etwas anderes als gibt's nicht. Und ja,

23:57

wir werden uns ein bisschen bewegen müssen, wenn wir diese

24:00

Abhängigkeit abschütteln wollen, weil es wird nicht das

24:03

One-to-One-Replacement-Tool da draußen irgendwo geben. Wer

24:07

sich jetzt darauf zurückzieht und sagt, aber all meine

24:09

Mitarbeiter können nur Hersteller A und deswegen mache

24:11

ich Hersteller A, dann ist das eine legitime Entscheidung. Aber

24:14

wie gesagt, die Weitsicht ist relativ in dem Moment. Schauen

24:17

wir uns das Virtualisierungsthema an.

24:19

Proxmox VE hat in den letzten 18 Monaten massiv an Marktanteil

24:23

gewonnen. Nicht, weil das Programm oder das Tool gerade

24:26

massiv weiterentwickelt wurde, sondern einfach, weil Broadcom

24:29

den Partnern signalisiert hat, dass sie eigentlich keine Lust

24:31

auf die haben. Also, XCP und OpenStack sind etabliert.

24:36

CubeWird ist eine spannende Wette für alle, die ohnehin

24:39

irgendwo Kubernetes als das Ziel sehen. Keine dieser Optionen ist

24:42

wirklich trivial. Das ist jetzt nicht so, dass man einfach mal

24:45

hingeht und irgendwas installiert. Und, äh, dann wird

24:48

das Ganze laufen. Aber alle sind heute wesentlich belastbarer als

24:51

noch vor zwei Jahren, ja. Proxmox VE ist wirklich ein,

24:54

muss man sagen, ein ausgereiftes Produkt. Äh, ich hab da

24:57

Szenarien gesehen, wo durchaus, also bis zu 20.000 Cores

25:01

irgendwo verwaltet wurden und das hat nicht schlechter

25:03

funktioniert als, ähm, ja, mit den, äh, alteingebrachten

25:07

Legacy-Herstellern, ja. Genau, und wenn es um das Thema

25:10

Produktivität und Cloud geht, auch da ist man eben nicht mehr

25:13

auf Legacy-Anbieter angewiesen, sondern es gibt OpenCloud, es

25:16

gibt NextCloud. Was Office angeht, gibt es

25:18

Kollaborer-Office, OnlyOffice, OpenDesk. Das kennt ihr

25:22

vielleicht, das ging massiv durch die Medien gerade. Das ist

25:24

dieser BMI-getriebene deutsche Stack. Ähm, von den Anbietern

25:28

her haben wir eine Hetzner in Europa. Es gibt eine OVH, es

25:30

gibt die E-ONOS Cloud, OpenExchange und all diese

25:35

Produkte, all diese Anbieter bekommen gerade

25:37

interessanterweise so viel Rückenwind aus Brüssel und aus

25:39

Berlin, speziell auch über das Zendes, unsere neue Behörde.

25:44

Alles in Richtung europäische Souveränität, dass die meisten

25:47

Kunden gerade nicht nur bereit sind zuzuhören, sondern

25:50

tatsächlich aktiv interessiert, aktiv einfordern, dass man mit

25:53

ihnen über Alternativen redet, ja. Das ist ein Fenster, das man

25:56

gerade als Dienstleister gerade benutzen kann, das man

25:59

tatsächlich benutzen muss, solange es offen ist und, wobei

26:02

ich jetzt nicht daran zweifle, dass es längerfristig offen

26:04

bleibt, aber die Kunden wollen jetzt gerade mit einem drüber

26:07

reden. Nicht in drei Monaten, nicht in sechs Monaten, nicht

26:10

nächstes Jahr. Versteht mich nicht falsch, es geht hier

26:12

gerade nicht darum, den Legacy-Hersteller XYZ

26:15

rauszuwerfen und durch Open Source zu ersetzen. Das ist ein

26:18

interessanter Punkt, kann man darüber diskutieren, aber seien

26:20

wir ehrlich, das ist gerade für 95% der meisten Setups da

26:24

draußen erstmal Utopie. Der Punkt, den ich hier vorstellen

26:28

möchte, ist, wer keine Alternative kennt, wer keine

26:31

Alternative evaluiert hat, der ist nicht in einer

26:34

verhandlungsfähigen Basis. Wer nicht pilotiert hat, ist nicht

26:38

in einer verhandlungsfähigen Basis. Ein kleiner winziger

26:41

Workload, einmal produktiv auf Proxmox oder Open Cloud

26:43

ausprobiert, das ist mehr wert als irgendwie 10, 20 Folien

26:48

Marketinganalyse über Souveränität oder über drei

26:50

Jahre, drei Jahresersparnisse bei den Legacy-Herstellern. Also,

26:54

es geht wirklich darum, hier technologische Pilotierungen zu

26:57

machen und selber für sich zu erkennen, welchen Weg man

27:00

tatsächlich gehen kann. Nicht muss, aber gehen kann. Das ist

27:04

tatsächlich der Beweis, dass es für einen selber dann geht.

27:06

Für einen selber, für die Kunden, für das Team, das man

27:09

aufgebaut hat, auch natürlich essentiell. Und auch für einen

27:12

selber. Es ist tatsächlich so eine Art Fallschirm, wenn

27:15

tatsächlich die nächste unangenehme Mail von deinem

27:17

Vendor im Postfach liegt. Einen Punkt wollte ich noch ansprechen.

27:20

Es gibt nämlich etwas, was meines Erachtens überhaupt

27:22

nicht hilfreich ist. Es gibt diverse populäre Antworten da

27:27

draußen, gerade auf diese Konsolidierungswellen. Die

27:29

schauen aus wie eine Lösung und sind tatsächlich von meinem

27:32

Empfinden her keine. Das sind dann die genossenschaftlichen

27:35

Zusammenschlüsse klassischer Einkaufsgenossenschaften. Die

27:38

bündeln viele kleine Partner zu einem Block, damit man eine

27:41

größere Verhandlungsmasse hat, um dann eben beim Hersteller

27:44

aufzutreten. Wird einem durchaus lautstark und sehr, sehr

27:47

medienwirksam als Befreiungsschlag verkauft, ist

27:50

es aber am Ende nicht. Denn strukturell reden wir genau

27:52

über das Gegenteil. Die Abhängigkeitsproblematik wird

27:55

nicht gelöst, sondern sie wird tatsächlich nur über all die

27:58

Partner, die da reingehen, kollektiviert. Man ist nicht

28:01

weniger vom Vendor abhängig, man ist nur Teil eines

28:03

größeren Topfes. Man tauscht zusätzlich noch seinen eigenen

28:07

Namen gegen den dieser Organisation. Das heißt, sobald

28:11

der Vendor die Schwellen das nächste Mal anhebt, und wir

28:13

wissen, dass sie das tun, weil sie das seit Jahren tun, dann

28:17

ist auch diese kollektive Verhandlungsmasse von einem

28:19

Moment auf den anderen klein. Größer werden gegen einen

28:22

Hersteller, der ohnehin noch wesentlich schneller wächst,

28:25

das ist doch keine Strategie. Das ist eine reine

28:26

Symptombehandlung. Und das ist kein Architekturfix. Und

28:30

natürlich, ganz prämentiert, zementiert es exakt dieselbe

28:32

Vendor oder Produktbindung, die das Problem ursprünglich

28:36

erzeugt hat. Vielleicht auch an der Stelle nochmal, ohne die

28:39

Hersteller jetzt zu sehr in den Vordergrund zu stellen, ist es

28:42

durchaus so, dass man in so einer Situation auch noch seinen

28:45

eigenen Namen gegenüber dem Hersteller verliert, wenn man

28:48

den denn als gesetzte Marke bei dem Vendor irgendwo platziert

28:52

hatte über all die Jahre. Zusammenfassend kann man hier

28:55

sagen, wer diese vier Punkte oben ernst genommen hat, der

28:57

baut seine eigene Optionalität auf. Wer sich solchen

29:01

Einkaufsgenossenschaften anschließt, baut sie dagegen

29:03

irgendwo ab. Vielen Dank. Ich habe ein paar Mal in meinen

29:06

letzten Artikeln den Satz gebracht, der eigentlich ganz

29:09

gut passt. Da heißt es immer nicht, die Lizenz ist teuer, die

29:12

Intransparenz ist teuer. Kommt aus dem klassischen Software

29:15

Asset Management, passt auch hier ganz gut, aber wenn wir es

29:18

hier etwas härter formulieren wollen, dann ist es nicht der

29:21

Hersteller ist das Problem, deine selbstgewählte

29:23

Abhängigkeit ist das Problem. Microsoft macht an der Stelle,

29:26

was Microsoft tun muss. Broadcom macht, was eine

29:29

übernahmegetriebene Konsolidierungsstory so

29:31

grundsätzlich mit sich bringt. Veeam macht, was eine

29:34

Ipo-Vorbereitung tut. Niemand davon ist böse, tatsächlich

29:37

nicht. Das sind alles ganz normale Menschen in ganz

29:39

normalen Konzernen und die folgen natürlich ihren

29:41

ureinsten Anreizen. Und genau das ist der Punkt. Diese

29:46

Interessen sind auf gar keinen Fall mit den langfristigen

29:49

Interessen kleiner oder mittlerer Partner deckungsgleich.

29:51

Kann nicht funktionieren. Wer das Gegenteil annimmt, hat

29:55

tatsächlich seit den Corona-Jahren nicht zugehört,

29:57

wie der Markt da draußen funktioniert. Also die einzig

30:00

sinnvolle Antwort liegt nicht im Hoffen auf einen besseren Vendor

30:03

oder dass die plötzlich ihre große Humanität oder ihre

30:08

Menschenfreundlichkeit entdecken, sondern sie liegt in der eigenen

30:12

Architektur. Und genau das ist der Punkt, vor dem man als

30:15

Tier-2-Partner, der die meisten von uns ja irgendwo sind, nicht

30:18

weglaufen sollte. Diese Arbeit ist essentiell. Sie ist unbequem.

30:22

Sie hat keinen direkten Impact auf die nächste Quartalszahl,

30:25

vielleicht auch nicht auf das Ergebnis diesen Jahres. Aber

30:29

wenn man jetzt wartet, bis die nächste Mail vom Hersteller

30:31

kommt, dann hat man tatsächlich schon verloren. Dann hat man

30:33

sich freiwillig in eine sehr passive Position rein

30:37

manövriert. Wer vorher also angefangen hat, sich strukturell

30:40

und architektonisch von seinem Vendor zu entkoppeln, sich nicht

30:43

auf ihn einzuschwören, sondern eine gewisse Flexibilität und

30:46

Optionalität hier zu bewahren, hat im Worst Case einen

30:48

geordneten Rückzugs- und Wechselprozess. Und im Best Case

30:52

hat er eine wunderbare Verhandlungsposition. Und beide

30:54

Varianten sind tatsächlich besser, als einfach mal

30:57

abzuwarten, bis dann der 20. Mai irgendwann kommt. Jetzt komme

31:01

ich tatsächlich schon zum Ende und ich hoffe, dass es euch

31:03

trotzdem gefallen hat, auch wenn es diesmal kein besonders

31:06

techniklastiger Podcast war. Aber trotz alledem, mich hat es

31:11

sehr, sehr interessiert in dem Moment, als die Mail von der

31:14

Deutschen Telekom da kam. Und deswegen hoffe ich, dass es für

31:17

den einen oder anderen von euch auch ganz hilfreich war, dass es

31:20

euch interessiert hat. Herzlichen Dank für eure

31:22

Aufmerksamkeit und bis zum nächsten Mal bei Pandolin On

31:25

Air.